Nach mehr als 40 Jahren an der Universität Paderborn verabschiedet sich Prof. Dr. Gudrun Oevel zum Juni 2026 in den Ruhestand. Mit ihr geht eine Impulsgeberin, die die digitale Entwicklung an der Universität über Jahrzehnte hinweg entscheidend geprägt hat.
Von 2002 bis 2025 leitete Gudrun Oevel das Rechen- und Medienzentrum mit großem Engagement und einem Gespür für die Anforderungen einer sich ständig verändernden Hochschule. In dieser Zeit gestaltete sie maßgeblich die informations- und medientechnischen Angebote der Universität.
Dazu gehörten unter anderem der hochschulweite Aufbau eines Identitätsmanagements und moderne Umgebungen für eLearning, eScience und eHumanities, die Virtualisierung von Rechenleistung und Speicher sowie den Aufbau eines energieoptimierten Data Centers. Auch innovative Technologien wie neue Visualisierungstechniken (Virtual und Augmented Reality) und KI-Sprachmodelle wurden unter ihrer Leitung eingeführt. Gleichzeitig wurde das Dienstleistungsportfolio kontinuierlich weiterentwickelt und den Bedürfnissen in Forschung, Lehre und Verwaltung angepasst.
Mit den technologischen Veränderungen wandelten sich auch die organisatorischen Strukturen mehrfach. So wurde aus dem Hochschulrechenzentrum (HRZ) das Zentrum IT-Dienste (ZIT), in das auch das Notebook-Café und die studentische Schulungsinitiative doIT integriert wurden. 2004 fusionierte das ZIT mit dem Audiovisuellen Medienzentrum (AVMZ) zum Zentrum für Informations- und Medientechnologien (IMT). Im Jahr 2024 erfolgte schließlich die Zusammenlegung des IMT mit der Verwaltungs-IT (VIT) zum neuen Zentrum für Informations- und Medientechnische Dienste (ZIM). Diese Veränderungen hat Gudrun Oevel nicht nur begleitet, sondern aktiv mitgestaltet.
Neben ihrer Rolle als Leiterin des ZIM brachte Gudrun Oevel sich auch in weiteren Bereichen der Universität aktiv ein. Anfangs wurde die IT-Strategie der Universität von einem CIO-Gremium verantwortet. Im Jahr 2008 wurde erstmals ein Chief Information Officer (CIO) ernannt. Von 2012 bis 2026 hatte Gudrun Oevel diese Rolle inne und leitete von 2020 bis 2026 zudem als CISO das Informationssicherheitsteam der Universität.
Austausch und Kooperation waren Gudrun Oevel stets ein wichtiges Anliegen. Sie engagierte sich für die bundesweite Vernetzung der Rechen- und Medienzentren, war unter anderem Vorsitzende der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation e. V. (DINI), arbeitete im Vorstand des Vereins „Zentren für Kommunikation und Informationsverarbeitung in Lehre und Forschung e. V.“ (ZKI) und leitete diverse Arbeitskreise. Sie organisierte zahlreiche Workshops und Tagungen, darunter zweimal die ZKI-Tagungen in Paderborn, die zuletzt 2024 mit über 400 Teilnehmenden stattfand.
Mit großem Einsatz warb Gudrun Oevel erfolgreich externe Mittel ein, sowohl für den Ausbau der Infrastruktur als auch für viele innovative Projektideen. Damit wurden der Aufbau von Diensten des ZIM vorbereitet und der Transfer neuer Ideen und Technologien in die Hochschule unterstützt. Projekte wie Locomotion (2005–2008: Aufbau einer E-Learning-Infrastruktur), studiolo communis (2010–2013: Aufbau einer ko-aktiven Arbeitsumgebung für den Forschungsdiskurs), GreenPAD (2011–2014: energieoptimierte Informations- und Kommunikationstechnologien), InnoVersity (2015–2018: Innovationsmanagement als Element der Digitalisierungsstrategie) und OASE (2023–2026: Entwicklung einer Open-Access-Kultur an der Universität) trugen dazu bei, die digitale Entwicklung nachhaltig voranzutreiben.
Gudrun Oevel formte aus einer kleinen Einrichtung mit rund 15 Beschäftigten das ZIM mit 100 Beschäftigten. Dieses stellt heute die informations- und medientechnische Infrastruktur der Universität bereit und bietet Dienstleistungen für deren effiziente Nutzung an. Bei all den technischen und organisatorischen Entwicklungen standen für Gudrun Oevel jedoch immer auch die Menschen im Mittelpunkt. Für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatte sie immer eine offene Tür und ein offenes Ohr. Die Förderung individueller Stärken und die Bildung eines Teamgeists waren ihr stets ein wichtiges Anliegen.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ZIM danken Gudrun Oevel herzlich für die gemeinsame Zeit und ihren unermüdlichen Einsatz. Das ZIM wünscht ihr für den neuen Lebensabschnitt alles Gute, Gesundheit und vor allem Zeit für all das, was die letzten Jahre vielleicht zu kurz gekommen ist.